Das Schweigen der AbolitionistInnen

Ich verfolge alle mir bekannten deutschsprachigen Medien von Abolitionistinnen seit zwei Jahren und versuche alles zu lesen, was sie veröffentlichen: Websiten, social media Beiträge, twitter, facebook, Publikationen.

Ich hatte per Mail, persönlich, via Chat und sogar per Telefon mit mindestens 30 Abolitionistinnen Gespräche. Wenn ich Gespräche auf Twitter und auf Facebook (offen mitlesebare) dazurechne kommen noch einmal 30 weitere Personen dazu. Ich habe auch von denen, die mit mir kommuniziert haben, keine einzige Antwort auf eine meiner Fragen bekommen.

Zu meiner abolitionistischen Lektüre gehören ca. zwanzig Blogs, zehn Websites, die persönlichen Einträge auf facebook von ca. zwanzig Personen und zehn Organisationen. Ich war auf jeder einzelnen mir bekannten Veranstaltung zum Thema in Wien, das waren heuer ungefähr 15 Termine. Ich wäre auf die Kofra-Konferenz gefahren, wenn ich nicht gewusst hätte, dass ich nicht hin darf, weil ich vorher schon von mehreren Personen gehört hatte, dass deren Anmeldung abgelehnt wurde. Leider habe ich die Anmeldung unterlassen, was ein großer Fehler war – die Ablehnung meiner Anmeldung würde ich heute gern herzeigen. Denn die ausgeladenen SexarbeiterInnen stellen sich damit keiner Öffentlichkeit, was ich sehr gut verstehe. Ich bin aber bereit, in persönlichen Gesprächen diese mir übermittelten herzuzeigen und Telefonkontakt herzustellen, den ich übrigens bereits Personen, die mich Lügen schimpften, angeboten habe. Wollten die natürlich nicht. Ich habe von einer Konferenz-Teilnehmerin erfahren, dass auf der Konferenz gesagt wurde, die „happy Sexarbeiterinnen“ wollen sie hier auf der Konferenz nicht haben. Tja, die hätten ihre Thesen ja ganz schön ins Wackeln gebracht. Die vor Ort ausgesprochene Kritik am schwedischen Modell wurde dort nach Aussage dieser Teilnehmerin „nicht ernst genommen“.

Ich habe in diesen über zwei Jahre gehenden Gesprächen von Abolitionistinnen also NIEMALS eine Antwort oder einen Kommentar zu folgenden Problemen bekommen oder eine Aussage darüber, wie sie diese Missstände empfinden. Ich habe zu diesen Themen und Kritikpunken in keinem einzigen Gespräch oder Publikation einen Kommentar gefunden, die meisten Behauptungen wurden durchwegs geleugnet. Ich kann das nicht anders interpretieren, als dass es Abolitionistinnen egal ist. Auf jeden Fall zählen Polizeigewalt und Unrechtsgesetze zu den Themen, die Abolitionistinnen auslassen. Und Hurengewerkschaften sind ihre erklärten und ausdrücklichen Feindbilder.

Also hier Eure Chance. Was sagt ihr dazu oder wo sind die Links oder Publikationen, die sich hierzu anders äußern, als es eine Lüge zu nennen?

  • Die Tatsache, dass es in allen Ländern der Welt Polizeigewalt und/oder Polizeirepressionen gegen SexarbeiterInnen gibt sowie die Tatsache, dass auch die Polizei und auch PolitikerInnen rechtswidrige Aktivitäten setzen oder diese anweisen.
  • Dass in Norwegen mehrere hundert SexarbeiterInnen ihre Wohnung (die Wohnung zum Wohnen) verloren haben wegen des schwedischen Modells.
  • Dass in Schweden SexarbeiterInnen schon beim Verdacht, SexarbeiterIn zu sein, aus ihren Wohnungen (zum Wohnen!) sofort rausgeworfen werden müssen, da sonst die VermieterInnen der Zuhälterei schuldig sind.
  • Dass SexarbeiterInnen in Schweden sagen, sie müssten jetzt mehr Schmiergeld zahlen und zwar ohne Gegenleistung, nur damit niemand die Polizei holt.
  • Dass SexarbeiterInnen in Schweden polizeilich überwacht werden (z.B. ihre Telefone), was nach schwedischem Gesetz meiner Einschätzung nach gar nicht legal ist. (Manche Abolitionistinnen finden das übrigens gut und notwendig.)
  • Dass die Abolitionistinnen (namentlich beispielsweise Susanne Riegler, Sonja Pleßl, Sabine Constabel, Alice Schwarzer) jede „Legalisierung“ und alle Berufsrechte ausdrücklich ablehnen, weil diese angeblich schädlich für SexarbeiterInnen seien.
  • Die Strafen für Verbotszonen (in Wien 500 Euro Mindeststrafe) für Anwesenheit sind meines Erachtens enorm und unverhältnismäßig.
  • Als die Erlaubniszonen in Wien in gefährliche Gebiete verlagert wurden (die verantwortliche Frauenberger ist Abolitionistin), wo es in der Folge Gewalttaten gab, die voraussehbar waren und anderswo nicht passieren, las ich dazu keinen Kommentar. Ebensowenig zu den generell absurden Strafhöhen gegen SexarbeiterInnen.
  • Die Forderung der Abolitionistinnen nach einer Zwangsuntersuchung, die von WHO, UNO und UNAIDS weil kontraproduktiv abgelehnt wird. Immerhin hat der Verein feministischer Diskurs die diese vehement fordernde Sabine Constabel eingeladen und für ihren Vortrag bezahlt.
  • Die Forderung der Abolitionistinnen nach einer Registrierungspflicht in Deutschland, die dort 1948 abgeschafft wurde weil man festgestellt hat, dass es a. ein reines Repressionsinstrument ist und b. das Haupthürde für einen Berufswechsel ist (also das Haupthindernis am Ausstieg aus der Sexarbeit). DIe Registrierungsprlicht wurde im Rahmen der Veranstaltung am 10.11. und noch einmal am 11.10. vom Verein feministischer Diskurs gefordert und für gut gefunden. In Österreich waren die Menschenhandelsopfer aus der Prostitution in der Mehrheit der mir bekannten Fällen registriert.
  • Dass in Deutschland mehrere Bundesländer rechtswidrig diese Registrierungspflicht bereits umsetzen?
  • Die Diffamierung von HurengewerkschafterInnen und die Hetze und Verleumdung gegen sie (Alice Schwarzer wurde dafür rechtskräfig verurteilt) beispielsweise in der EMMA. – Das ist die einzige Ausnahme, diese hat Maja K. ausdrücklich kritisiert, was mich damals und heute sehr erfreut hat.
  • Dass Kondome mitzuführen in Schweden und Österreich als Beweise für Sexarbeit gelten und bei Strafverhängungen eine Rolle spielen. Viele Sexarbeiterinnen in Schweden nehmen keine Kondome mehr, weil sie als Beweis für Sexarbeit gelten.
  • Dass soviel ich weiß seit dem Jahr 2001 keine SexarbeiterInnen mehr in Schweden einen Freier angezeigt haben. Das taten sie vor 1999 sehr wohl, das tun sie in vielen Ländern der Welt. Und niemand kann glauben, dass es keine Probleme mehr gibt. (Dafür habe ich in den letzten Jahren keine Belege, dh meine Quellen dafür sind alt, falls wer Daten dazu hat nur heraus damit, auch und besonders falls sich daran etwas geändert hat und ich Unrecht habe).
  • Dass SexarbeiterInnen aus Schweden abgeschoben wurden (rechtswidrig) und immer noch abgeschoben werden.
  • Dass eine Sexarbeiterin und ein Hurengewerkschafter in Paris vor zwei Wochen Opfer von körperlicher Polizeigewalt und verhaftet wurden, er weil er Kondome und Infomaterial verteilte. Die Anklage beruft sich auf das schwedische Modell, das in Frankreich gar nicht gilt. (Als Verhaftungsgrund steht im Akt: „Er sprach mit einer Sexarbeiterin“).
  • Ich habe noch nie von einer Abolitionistin einen Kommentar zum Mord an Petite Jasmine gehört, eine mir namentlich bekannte Abolitionistin vom Verein feministischer Diskurs, die gezählte dreimal bei einer Veranstaltung von ihr gehört haben muss, hat beim dritten Mal immer noch behauptet, davon nie gehört zu haben. Die Schwedin Petite Jasmine wurde vom Vater ihrer Kinder (die sie jahrelang nicht sehen durfte mit der Begründung dass sie Sexarbeiterin ist) wurde in einem Besuchscafe mit dutzenden Messerstichen ermordet. Die Polizei hat soweit ich mich erinnere ihr kleines Kind gerufen übrigens. Das Sorgerecht hatte der wegen körperlicher Gewalt gegen Petite Jasmine verurteilte Vater…
  • Abolitionistinnen leugneten in meiner Gegenwart mehrfach, dass Sexarbeiterinnen das Sorgerecht in Österreich und Schweden automatisch entzogen wird.
  • Es gibt dutzende Belege dafür (z.B. aus schwedischen Polizeiberichten) dass die Anzahl der SexarbeiterInnen in Schweden nicht gesunken ist – außer am Straßenstrich, wo die Polizei Razzien macht.
  • Mindestens 50% der SchwedInnen fordern, dass auch SexarbeiterInnen bestraft werden, die „Schaffung eines neuen Bewusstseins“ ist also ordentlich schief gegangen. Genau das haben Hurengewerkschaften übrigens schon 1998 prophezeit.
  • Es gibt keine Kronzeugenregelung für Freier, die Menschenhandel anzeigen. Seit dem Jahr 2000 gab es keine Anzeigen mehr von Freiern aus diesem Grund. Es gibt für Österreich und Deutschland keine konkreten Zahlen, aber eine deutsche Statistik sagt, dass zwei Drittel der Anzeigen von „Verwandten der Opfer und Freiern“ kommen. Ich weiß auch von Beratungseinrichtungen dass das vorkommt, nicht in Horden, aber es kommt vor. In Schweden wurde diese Kronzeugenregelung gefordert, aber nicht umgesetzt. Bei Mord gibt es sie.
  • In Deutschland ist die Anzahl der Fälle von Menschenhandel seit 2002 gesunken. Abolitionistinnen reden davon, diese seien „explodiert“, Quelle für die Explosion gibt es keine.
  • Welche wissenschaftliche Untersuchung bestätigt den Erfolg des schwedischen Modells?
  • Was wäre, wenn die Ziele des schwedischen Modells mit diesem nicht erreicht würden? Auch wenn ihr das nicht glaubt, was wäre WENN es so wäre? Wärt ihr dann trotzdem dafür?
  • Was verstehen die Appell-BegründerInnen unter „Sexkauf“? (Darauf habe ich mehrfach eine „Antwort“ bekommen: Das wissen wir noch nicht).
  • Kein Verbot dieser Welt konnte bisher bewirken, dass es Sexarbeit verschwindet.
  • Was sagt ihr den Sexarbeiterinnen, die sich vom Abolitionismus, vom nicht mit ihnen reden und ihre Aussagen leugnen, abwerten oder als bezahlte Lügen verwerfend gedemütigt und entmündigt fühlen?
  • Die Hurengewerkschaften fordern seit Jahrzehnten: Nur wer MIT uns redet darf MITREDEN. Was sagt ihr dazu?
  • Auf den Menschenhandelskonferenzen in Wien waren alle Fachleute gegen das schwedische Modell. Lauter Idioten?

Man möge mir etwas präsentieren, egal ob es ein mündlicher Kommentar ist, ein Kommentar in einem Onlinemedium (Zeitschrift, Publikation), zu einem einzigen dieser Punkte, die dazu eine Stellungnahme ist, die NICHT leugnend oder verharmlosend ist. Eine einzige. Ich fand in zwei Jahren keine. Pauschale Ablehnungen von Gewalt zählen nicht.

Wenn Abolitionistinnen sich mit den Polizeirepressionen befassten, müssen sie wohl zugeben, dass mit der Polizei keine „Prostituiertenrettung“ möglich ist. Das liegt daran, dass die Polizei durch die jahrhundertelange Gesetzgebung diese nur als kriminelle Personen wahrnimmt und die Kontrollfunktion auszuüben hat. Sehr vereinfacht erklärt: Wen ich mit der Knarre kontrolliere, den sehe ich nicht als Opfer.

Wenn Abolitionistinnen sich der Realität des schwedischen Modells stellen würden und anerkennen würden, dass es die Anzahl der SexarbeiterInnen nicht senkt und auch den Menschenhandel nicht beeinflusst, wenn sie zugeben würde, dass es sehr wohl auch die SexarbeiterInnen selbst auf vielfältige Weise kriminalisiert, dann müssten sie ihre Forderungen modifizieren. Oder?

Ich bin ehrlich extrem interessiert an der Widerlegung meiner Behauptungen. Vielleicht täusche ich mich ja in meiner Position. Ihr könnt das gerne hier kommentieren, mir eine Email schreiben (helga@wortflechte.com) einen anonymen Kommentar via die Kommentarfunktion hier schicken hier www.wortflechte.com/web/impressum oder mir via facebook schreiben. Natürlich ist auch er Postweg möglich. Behauptungen zu Studien ohne AutorIn und Titel könnt Ihr Euch sparen. Beleidigungen von SexarbeiterInnen werden von mir gnadenlos gelöscht.

Euch ausnahmslos ein wundervolles Neues Jahr 2015 – Möge das schwedische Modell dort landen wo es hingehört: in die Hölle. Möge es in die Geschichte eingehen als einer der größten Fehler des Feminismus. Damit wir wieder Zeit finden, uns den Problemen von Mensch und Erde zu widmen. Happy New Year!

 

Nachträgliche Anmerkung: Wer es notwendig hat ohne Quellenangabe jemanden der Lügen zu bezichtigen oder Mordopfer und ihre Verwandten zu diffamieren und zu beleidigen möge sich an den psychosozialen Dienst wenden und mich hier in Ruhe lassen. 

14 Antworten auf Das Schweigen der AbolitionistInnen

  1. Hallo Frau Pregesbauer,

    Aus Ihrem Artikel werde ich nicht schlau, ob Sie Prostitution in Ordnung finden und deshalb gegen das schwedische Modell sind, oder ob Sie Prostitition nicht in Ordnung finden und ein anderes Modell für wirksamer halten, um die Prostitution einzudämmen.

    Über eine Aufklärung wäre ich dankbar.

  2. anonym at 19:58

    ich denke es geht um etwas ganz anderes. Wenn Prostitution verboten wäre, hätte der Teil der weiblichen Gesellschaft der die Prostitution verbieten will, noch mehr Macht über den männlichen Teil der Gesellschaft.

    Schon heute ist es doch so dass Frauen Sex als Waffe gegen den Mann benutzen, einziges Hemmnis dagegen sind Prostituierte. Männer die zu Prostituierten gehen kaufen sich vom Häuslichen leidensdruck frei.

  3. Pingback: Fremde Federn: Das Schweigen der AbolitionistInnen | sunflower22a

  4. Belladonne at 17:12

    Sehr geehrte Frau Pregesbauer
    Leider sind Sie über die AbolitionistInnen schlecht informiert. Wir fordern keineswegs das Verbot der Prostitution, wir fordern ausdrücklich das Verbot des Sexkaufes. Da Sie eine Definition dieses Wortes fordern,gebe ich Ihnen eine: Der Sexkauf ist der Erwerb einer sexuellen Handlung am eigenen Körper. Diese sexuelle Handlung wird von einem Dritten erbracht, der dafür Geld bekommt. Der Sexkauf ist männlich dominiert, der Dritte der diese Leistung erbringt ist meistens weiblich. Da die Möglichkeit dieses Kaufes mit einer Machtposition zusammenhängt, ist es ein Zeichen und eine Folge der patriarchalen Dominanz in unserer Gesellschaft, dass es diese Möglichkeit (fast) ausschließlich für Männer gibt. Unsere Bemühen, die Gesellschaft in Richtung Gleichsstellung der Geschlechter zu verändern wird von dieser männlicher Dominanz unterminiert. Desweiteren sind wir der Meinung, dass die Prostitution ein gesellschaftlicher Übrigbleibsel der Prüderie des 19. Jahrhunderts ist, wo weder Jungen noch Mädchen aufgeklärt waren, und auch erwachsene Frauen und Männer nie über Sexualität und über sexuelle Wünsche zu sprechen wagten. Zu dieser Zeit wurde auch die falsche Vorstellung theoretisiert (von Sigmund Freud) Sexualtriebe gäbe es nur bei Männern. Frauen hätten die Bestimmung und infolgedessen das Schicksal, Sexualität über sich ergehen zu lassen, weil sie kein Interesse dafür entwickeln könnten. Zu dieser Vorstellung passt die Institution Prostitution: Geld ist eine Entschädigung dafür, dass die Frau Sex eigentlich nicht (nie) will. Dadurch wird Sexualität ungerecht zur Ware gemacht, die ausschließlich zur Befriedigung männlichen Wünschen, (meistens als Bedürfnissen formuliert) zu gestalten ist. Wir sind wir dagegen, dass Sexualität von Frauen so ignoriert wird, dass die Wünsche von Frauen so verneint werden, dass sexuelle Erfüllung als eine rein männliche Möglichkeit betrachtet wird. Die aktuelle psychologische Wissenschaft hat auch die Thesen von Freud widerlegt und die weibliche Libido ist ausreichend untersucht worden. Es ist jetzt Konsens, nicht nur dass es sie gibt, sondern auch dass sie genau so stark oder sogar stärker ist als die männliche Libido, sodass es kein Grund gibt, die sexuelle Handlungen mit Geld zu entschädigen, weil sie von beiden Partnern als erfüllend empfunden werden (bzw werden können). Also hat Prostitution ihre Daseinsberechtigung völlig verloren. Dass es sie noch gibt, zeigt wie stark die patriarchalische Dominanz in unserer Gesellschaft noch ist, und wie unausgereift unser Zugang zu Sexualität ist. Insbesondere Männer werden als dominante gewalttätige Wesen sozialisiert und erzogen, die Zärtlichkeit und Geborgenheit als Weicheierei betrachten, und die den Diskurs über Sexualität als weiblich dominiert empfinden. Der Hauptteil der Unterhaltungsindustrie verbreitet außerdem extrem gewalttätige Männlichkeitsmuster und die dazu passende unterwürfige Weiblichkeitsmuster. Die sehr hohe Geschlechtergewaltquote, die sowohl in der Prostitution wie auch in der übrigen Gesellschaftsgruppen stattfindet, ist zum Teil darauf zurückzuführen. Die Existenz der Prostitution als Feld dieser Dominanz verfestigt diese Gewalt:
    Körperöffnungen einer anderen Person zu kommerzialisieren, um sie für die eigene Befriedigung zu benutzen ist eine Form von Gewalt, die diesem falschen Männlichkeitsmuster entspricht. Wir sind der Meinung, dass es in einem Rechtsstaat notwendig ist, die Täter einer Gewalthandlung zu sanktionnieren, hier die Sexkäufer. Diese Sanktionnierung hat nicht den primären Zweck, die Zahl der prostituierten Personen zu reduzieren, sondern eine klare Rechtsauffassung gegenüber von Männern zu formulieren, nämlich dass es menschenrechtswidrig ist, andere zu benutzen, so einfach ist es.
    Das hat staatsrechtliche Folgen, die es z. B. dem Staat unmöglich machen sollten, Steuer aus dem Prostitutionsgewerbe zu erheben, wie auch Bordelle zu lizenzieren, um ihnen einen Anstand zu verleihen, den sie niemals haben sollten, weil sie Orte von Menschenrechtsverletzungen sind, die der Staat nur strafrechtlich verfolgen sollte.
    Die Regulierungsversuche, die im Rahmen des Prostitutionsgesetzes von 2002 bzw im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes von 2015 sind eigentlich nicht mit der abolitionistischen Position vereinbar. Viele von den deutschen AbolitionistInnen befürworten trotzdem ein Mindestschutzalter und verpflichtende gesundheitlichen Untersuchungen. sowie die staatliche Kontrolle der Bordelle, aber im internationalen Vergleich sind sie mit diesen Positionen eine Ausnahme. In anderen Ländern verweigern sich AbolitionistInnen irgendeine Regulierung dieses Feldes zu befürworten. Die einzigen staatlichen Eingriffsformen, die sie befürworten sind Ausstiegshilfen für die Prostituierten und strafrechtliche Verfolgungen für ZuhälterInnen, BordellbetreiberInnen und andere Hintermänner oder Hinterfrauen, und natürlich für die Haupttäter, nämlich die Sexkäufer.
    Da Deutschland mit dem Gesetz von 2002 ein Paradies für ZuhälterInnen geworden ist, resignieren die meisten deutschen AbolitionistInnen heutzutage und befürworten nicht nur den Verbot von Zuhälterei und Sexkauf, sondern auch, als Schadenbegrenzung sozusagen einen Mindestalter und die bekannten Maßnahmen.
    Zu ihren nicht vorhandenen BinnenI möchte ich hinzufügen, dass es auch Männer gibt, die im Rahmen der Organisation Zeromachos für abolitionistische Positionen werben.

    Hiermit erhoffe ich mir eine Klärung der Diskussionsvorlage erreicht zu haben.
    Mit frauenrechtlichen Grüßen
    Belladonne

    • Helga Pregesbauer at 03:15

      ich finde es wirklich schön, wenn mir die Abolitionistinnen Briefe schreiben, die alle meine Behauptungen bestätigen.

      „Wir fordern keineswegs das Verbot der Prostitution“ Derlei habe ich nie behauptet, aber sie fordern die Abschaffung oder Beendigung der Prostitution. Dafür habe ich mind.20 Belege, es steht in allen Appellen so.
      Der Mangel der Definition von Sexkauf bezieht sich v.a. darauf, ob z.B. Telefonsex oder Porno legal oder nicht sind, diese Fragen bleiben nach wie vor absolut offen und die Abolitionistinnen sind sich aufgrund ihrer geringen Kenntnisse der Szene darüber gar nicht im Klaren. (Sexualassistenz? Porno drehen? Regie? Videokauf? Videoansehen – wenn es „Sexkauf“ wäre, sind dann kommerzielle Gratisvideos ansehen oder Trailers legal, und wie ist es mit Webcamsex, der boomt?)

      „Der Sexkauf ist der Erwerb einer sexuellen Handlung am eigenen Körper.“ Ich erwerbe Sex am eigenen Körper? Aaaha. Versteh ich nicht, ich geb es zu.

      „Diese sexuelle Handlung wird von einem Dritten erbracht, der dafür Geld bekommt.“ Drei Personen? ein Freier plus eine Prostituierte sind zwei Personen, irgendwer von den dreien fehlt, aber wer mag das sein?

      „Da die Möglichkeit dieses Kaufes mit einer Machtposition zusammenhängt“ Erwerbe ich Macht, wenn ich zum Frisör gehe? Wenn ich mich massieren lasse? Wenn ich einen Babysitter engagiere, der meinem Kind die Windel wechselt und es intimst berührt? Haben nicht auch Babysittende, Haare frisierende, Massierende und Sexdienstleistungen anbietende Macht? Einfach mal Michel Foucault lesen….

      Meine Freundinnen und Freunde aus der Sexarbeit finden, dass ihre Berufsrechte von Feministinnen „unterminiert“ werden und die strukturelle Diskriminierung und die Abwertung ihrer Person (nicht nur ihrer Arbeit!) durch Abolitionistinnen die Gleichstellung im Arbeitsleben unterminiert. Tatsächlich hat das schwedische Modell die Lebensbedingungen der Sexarbeiterinnen in allen Ländern extrem verschlechtert, aber dass sie vogelfrei sind, wieder Zuhälter brauchen, abgeschoben werden, aus ihren Wohnungen geworfen werden stört Rieger Susi, Manuela Schon und Sie, Belladonne, ja nicht.

      Prostitution ist nachweislich älter als die Prüderie des 19. Jahrhunderts und findet auch im Tierreich statt. Wer glaubt „Früher“ (Epoche bitte selbst aussuchen) wurde „nie“ über Sex gesprochen ist äußerst mangelhaft informiert. Es gab keine Epoche, wo alle über Sex schwiegen.

      Ihr Kenntnisse der Theorien Freuds sind aber das schönste an ihrem Brief: „Zu dieser Zeit wurde auch die falsche Vorstellung theoretisiert (von Sigmund Freud) Sexualtriebe gäbe es nur bei Männern.“
      Ich gehe nicht im Detail darauf ein, obwohl das Thema hochspannend wäre und bringe nur ein einziges Zitat von Sigmund Freud:
      „Die Frauen vertreten die Interessen (…) des Sexuallebens, die Kulturarbeit ist immer mehr Sache der Männer geworden (…) Triebsublimierungen, denen die Frauen wenig gewachsen sind“
      Jahrhunderte lang bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren die Gesellschaft, die Medizin und die Justiz und vor allem Sigmund Freud felsenfest überzeugt, dass Frauen viel größere sexuelle Begierden hätten als ein Mann.

      Abolitionistinnen sind dagegen, dass SexarbeiterInnen gehört werden und mitreden dürfen, wenn man über sie entscheidet. Ich bin dagegen, dass man das so ignoriert und verneint.
      Ihre sexistischen Theorien über Männlichkeit sind genauso problematisch in ihrer Pauschalierung wie die Gewaltbehauptung bzgl. Sexarbeit. Und was hat jetzt die Unterhaltungsindustrie konkret mit Sexarbeit zu tun??
      Dass die „Existenz von Sexarbeit“ direkt auf die gesamte Gesellschaft wirkt ist einigermaßen abstrus und entmündigt alle Menschen, nicht nur Freier und SexarbeiterInnen.

      Die Meinung, dass jede sexuelle Dienstleistung Gewalt sei teile ich nicht und halte sie für eine Verharmlosung sowohl von Menschenhandel, als auch von Vergewaltigung und von Gewaltverbrechen. Das nützt auch niemandem. Vergewaltigungsopfern würde derlei niemand über den Kopf hinweg zuschreiben. Für mich ist diese Behauptung einer von vielen Beweisen dafür, dass ihnen die Lebenslage und Befindlichkeit von SexarbeiterInnen egal ist, ihr schwedisches Modell könnten sie ja auch fordern, ohne solchen Unfug zu behaupten. Menschenrechtswidrig sind auf jeden Fall die Forderungen der Abolitionistinnen, und zwar mehrere Paragraphen, vielleicht wollen Sie diese einmal lesen?

      „nicht den primären Zweck, die Zahl der prostituierten Personen zu reduzieren“ Na dann lesen sie mal die Appelle, die verfolgen alle diesen „Zweck“ ganz eindeutig!

      Interessant auch, wie schlecht sie das schwedische Modell kennen, denn dort ist es dem Staat sehr gut möglich, Steuern auf Sexarbeit zu verlangen und zu kassieren, auch Steuerstrafverfahren gegen Sexarbeiterinnen sind an der Tagesordnung.

      Dass sie Sexkäufer als die „Haupttäter“ bezeichnen wird es krass, denn dass sie Sexkäufer noch vor „ZuhälterInnen“ nennen entsetzt mich, soviel Realitätsverweigerung hätte ich ja nicht einmal den Abolitionistinnen zugetraut. Zuhälterei ist klar ein sehr schlimmes, strafwürdiges Verbrechen – meiner Meinung nach.

      Inwiefern genau ist Deutschland ein „ein Paradies für ZuhälterInnen geworden“? Das würde mich ja sehr interessieren, vor allem weil die Anzahl der Menschenhandelsfälle ja in Deutschland laut Statistik gesunken ist, obwohl die gleiche Anzahl an Lokalen kontrolliert wurde und die Anzahl der kontrollierten SexarbeiterInnen um ein Viertel gestiegen ist. Die Abolitionistinnen berufen sich immer diese Statistiken.

      zu meinem „ nicht vorhandenen BinnenI“ möchte ich hinzufügen, dass ich die Positionen der Zeromachos nicht ausreichen kenne und nur von Abolitionistinnen spreche, weil ich ausnahmslos Frauen kenne, welche diese Position politisch aktiv vertreten. Und ich rede nur über Dinge, mit denen ich mich ausreichend beschäftigt habe. Außerdem verwende ich seit Jahren immer gegenderte Sprache, auch hier im Blog mehrmals…

      „eine Klärung der Diskussionsvorlage“ ist mir so fern wie vor einem Jahrzehnt. Sie haben übrigens nur eine einzige meiner ungefähr 25 Fragen angesprochen, und auch diese nicht befriedigend beantwortet, Belladonna. Danke für die Bestätigung meiner Behauptungen ;)

      • Belladonne at 09:21

        Ebenfalls Danke für die Bestätigung meiner Behauptungen und Vermutungen. Die maßlose Gewalt gegen Prostituierten ist der Heuchelei der Gesellschaft zu verdanken, die es nicht vermag, offen kriminelle Strukturen zu bekämpfen, weil sie die Macht von Sexkäufern und ihren Komplizen, zu den die meisten Politiker gehören, schützen will. Deswegen werden die am allerwenigsten verantwortlichen für die kriminellen Machenschaften, nämlich die Prostituierten, immer mit Polizeigewalt konfrontiert und kriminalisiert. Ich habe mit dem Leiter der Polizei in Stockholm gesprochen, er kennt die Prostitutionsszene dort sehr gut und hat einen guten Draht zu Prostituierten in Stockholm. Sie haben keine Angst, übergriffige Freier anzuzeigen, weil sie wissen, dass sie auf jeden Fall straffrei bleiben. Die von Ihnen ausgeführten fremdenfeindlichen Maßnahmen wie willkürliche Abschiebung sind nicht auf dem Milieu der Prostitution beschränkt und ereignen sich leider in allen europäischen Ländern gegen Migranten. Prostituierten werden als vulnerable Migrantinnen besonders davon betroffen. Die Ausweisungen und Abschiebungen ereignen sich auch in Deutschland, ganz ohne schwedischen Modell. Die Forderung von AbolitionistInnen ist nicht, dass man die Legalisierung zurücknimmt. Das ist eine Abkürzung, der Irritation geschuldet, die das Prostitutionsgesetz 2002 verursacht hat. Dieses Gesetz ist nicht für die heutige katastrophale Lage verantwortlich und es geht nicht darum, in den Zustand vor dem Gesetz zurückzugehen. Im Zuge dieses Gesetzes sind aber Zuhälterei und Menschenhandel viel erleichtert worden, was sich auf die Frauen negativ auswirkt. Es geht also darum, die Blickrichtung zu wechseln, aufzuhören, ständig nur an den Frauen etwas regeln zu wollen, (wie Gesetze über und gegen Prostitution seit ewig gemacht haben) sondern den Käufer in den Blick zu nehmen, der die Hauptverantwortung dafür trägt, dass es diesen Markt der Prostitution überhaupt gibt. Seine bloße Existenz unterminiert die Gleichberechtigung, weil sie ein Geschlecht als käuflich darstellt. Zusätzlich, durch den Konkurrenzdruck, müssen sich die Frauen ständig unterbieten und gefährdende Praktiken über sich ergehen lassen, die Nachfrage für diese Praktiken kommt überwiegend von den Freiern.
        Ich erhoffe mich nicht mehr, zur Klärung beizutragen, aber lege einfach meine abolitionistische Position dar, weil ich das für nötig halte.

      • Helga Pregesbauer at 16:08

        im zuge des gefechts ist ihnen selbst das binnen-i jetzt abhanden gekommen, belladonne.

        wenn der leiter der polizei einen guten draht zu sexarbeiterinnen hat, dann bin ich die ehefrau von leonardo da vinci. wenn das anzeigen für sexarbeiterinnen in schweden so einfach ist, warum gibt es dann keine anzeigen mehr von dieser seite seit 2001? und warum haben mir alle schwedischen sexarbeiterinnen berichtet (und auch die literatur) dass sie es nicht mehr wagen und im untergrund arbeiten müssen, weil sie sonst die polizei auf den fersen haben, wie ja auch abolitionistinnen immer wieder gern erzählen, dass die freier über die daten der sexarbeiterinnen gesucht werden? das macht sie aber arbeitslos.

        schweden schiebt gezielt sexarbeiterinnen ab und tat dies über jahre illegal auch mit frauen aus dem schengenraum. in keinem anderen land der EU werden sexarbeiterinnen wegen ihres berufs abgeschoben, sollten sie dazu daten haben: heraus damit. wenn das schutz von gewaltopfern sein soll dann gute nacht.
        der versucht, strukturelle gewalt in schweden gegen sexarbeiterinnen als „das machen eh alle und hat mit sexarbeit nix zu tun“ abzutun, da müssen sie ein bisschen früher aufstehen, denn es gibt ein OHG-urteil, in dem diese praxis in schweden klar nur gegenüber sexarbeiterinnen verhandelt und für illegal erklärt wurde.

        „Die Forderung von AbolitionistInnen ist nicht, dass man die Legalisierung zurücknimmt.“ Komisch, dass sie es aber alle verlangen und davon reden, obwohl sie es gar nicht fordern!

        „Das ist eine Abkürzung, der Irritation geschuldet, die das Prostitutionsgesetz 2002 verursacht hat.“ Das Gesetz scheint Abolitionistinnen wirklich enorm verwirrt zu haben… dass sie sogar der Sprache jetzt verlustig gehen…

        „Dieses Gesetz ist nicht für die heutige katastrophale Lage verantwortlich und es geht nicht darum, in den Zustand vor dem Gesetz zurückzugehen.“ Sie sollten einmal die Publikationen der Emma, der Kofra, von Rahel Gugel, Störenfrieda, und anderen deuschen Abolitionistinnen lesen, sie scheinen diese Frauen alle nicht zu kennen, die wollen nämlich genau dort hinzurück, außer sie bekommen nordic model.

        „Im Zuge dieses Gesetzes sind aber Zuhälterei und Menschenhandel viel erleichtert worden“ aha, da haben sie sicherlich einen beleg dafür, denn die zahlen von justiz und deutscher regierung sagen das gegenteil.

        „weil sie ein Geschlecht als käuflich darstellt“ keine mir bekannte sexarbeiterin würde sich selber als käuflich bezeichnen und alle kritisieren diese darstellung ihrer person als objektifizierend, entwürdigen und abwertend.

        das keine abolitionistin je meine fragen „klären“ wird war ja meine ursprüngliche behauptung, bisher habe ich leider recht behalten. es scheint unmöglich zu sein, dass sich einmal eine dazu äußert, dass das schwedische modell den sexarbeiterinnen schadet.

  5. Sehr schöne Themensammlung.
    Ich habe mich bei Weitem nicht so intensiv mit dem Hintergründen und Gedanken der Abilitionistinnen (sind ja zu meinst Frauen) beschäftigt, doch auch ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht und auch schon viel gefragt. Ich dachte anfangs, dass ich das verstehen muss. Weil ich einfach immer gerne verstehen möchte, wie andere Menschen denken.
    Mittlerweile weiß ich, genau wie die Schreiberin, dass es den Abolitionistinnen nicht um die Rettung der Frauen vor Übeln in der Prostitution oder um den Erhalt der vielzititerten Menschenwürde geht, sondern um die Durchsetzung der eigenen Moralvorstellungen. Da Prostitution laut deren Meinung mit der Menschenwürde nicht zu vereinbarten ist, muss sie abgeschafft werden. Das Schwdische Modell gilt dabei als Allheilmittel.

    Das ist eigentlich die einzige wirkliche Botschaft, die die so rüber bringen. Und damit es danach nicht eng wird und ihnen die Argumente ausgehen, wird diese Forderung gebetsmühlenartrig wiederholt oder immer wieder mit neuen Argumenten vorgetragen. Glücklicherweise sind die meisten Zuhörer aber nicht doof und merken das.

    Ich war schon öfter auf Veranstaltungen mit Abolitionistinnen zusammen auf dem Podium. Wenn die Veranstaltung kurz ist, dann punkten die immer mit ihren Bildern von den armen leidenden Frauen, die in D. versklavt werden und vergewaltigt werden von brutalen Freiern. Sobald die Veranstaltung aber länger als eine halbe Stunde ist fehlt ihnen der Unterbau,
    und da kommen wir „glücklichen Prostituierten“ wesentlich besser an. Wir sind verhältnismäßig sachlich, wir sind ehrlich, wir wollen niemanden bekehren, wir erzählen lustige Anekdoten und sind locker und unkompliziert drauf.
    Ein Glück!

    Ich habe bis vor kurzem nicht verstanden, warum die Abilitionistinnen, denn so viel Angst vor UNS haben. Wer sind wir denn? Wir sind doch total harmlos. Inzwischen habe ich begriffen, dass wir nicht harmlos sind, denn wir kommen tatsächlich gut an. Und wir werden tatsächlich Ernst genommen. Was man von ihnen ja nicht sagen kann. Da hilft ihnen auch ein selbstinitierter Kongress, wo alle Gegenstimmen ausgeladen werden, nicht.
    Übrigens ist auch der Deutsche Frauenrat ausgeladen worden!!!!!!!
    Sie wurden angefragt für das Podium. Der Frauenrat wollte aber nur kommen, wenn es sich um eine wirklich offene Diskussion handelt…. Naja, da kam man dann nicht zusammen!!!!

    Und, bevor ich wieder falsch verstanden werde:
    Ich möchte hiermit nicht sagen, dass Prostitution der tollste Job der Welt ist. Diejenigen, die den Job toll finden, sollten das aber dürfen. Und ich als eine der „glücklichen Prostituierten“ bin NICHT der Meinung, dass alle so „glücklich“ damit sein müssen. Man darf dieser Tätigkeit auch nachgehen wenn man sie eben nur mittelmäßig oder gar nicht so toll findet, sich aber bewußt dafür entscheiden hat. Die Entscheidung warum Menschen der Prostitution nachgehen ist sehr individuell. Und ich akzeptiere jede einzelne davon. In der Regel gehen die Menschen arbeiten, um Geld zu verdienen – und das in allen Branchen. Schön wäre, wenn alle ihren Beruf richtig gerne machen – und das in allen Branchen.

    Gruß,
    Johanna

    • Helga Pregesbauer at 16:50

      den Frauenrat ausladen, das ist ja auch sehr interessant…

  6. Liebe Helga,
    ich kenne Abolitionistinnen, die sehr wohl mit dir (mehr als einmal) diskutiert haben.

    Hier mal exemplarisch (!) ein paar Entgegnungen:

    Zu vielen deiner Punkte wurde von Abolition 2014 sehr wohl Stellung genommen (Nur ein Beispel: Die Operation Huslos (Norwegen) wird in der Zusammenfassung zur Auswertung des nordischen Modells in Norwegen auf dem Abolition Blog etwas gesagt)

    Ich weiß auch, dass die Abolition 2014 Leute jeden bei jedem Lobby-Vorwurf gegen Schweden immer gleich Faktenscheck in Schweden gemacht haben und das Ergebnis rückgemeldet haben (ich weiß nicht ob es auch um Behauptungen von dir ging, aber in jedem Fall von anderen)

    Zu Petite Jasmine haben wir zahlreiche (!) Diskussionen geführt und darauf hingewiesen, dass die Darstellung der Lobby eindeutig falsch ist [Vorwurf der Lüge an Verwandte von Petite Jasmine gelöscht]

    Aber reden wir doch mal über EUER Schweigen. Gewalt in der Prostitution, Morde in der Prostitution? Spekulieren über das Hellfeld in Schweden, Norwegen, Island? Wieso äußerst du dich nicht mal zu dem Hellfeld in Deutschland?
    Hier findest du weit mehr als 300 Morde und Mordversuche in Deutschland:
    http://sexindustry-kills.de/doku.php?id=prostituiertenmorde:de

    Legal makes it safe, oder?
    Da bin ich dann doch mal auf deine „seriösen Argumente“ gespannt.

    Herzlich

    Hanna Dahlberg

    • Helga Pregesbauer at 16:49

      Ja, Abolitionistinnen haben oft mit mir „diskutiert“, das steht ja auch oben, meine Fragen beantwortet haben sie niemals. Außer indem sie behauptet haben, meine Behauptungen wären falsch oder neuerdings auch sie wären gelogen.
      Für Behauptungen ohne Links nehme ich nicht Stellung. Ich bat ausdrücklich um konkrete Stellungennahmen zur ausführlichen Kritik am schwedischen Modell, wo bleibt sie?
      Ich kenne die Darstellung zum Mord an Petite Jasmine nur aus den Medien, Behauptungen von einer „Lobby“ egal welcher Seite ist mir unbekannt. Alles gelogen? Lebt sie noch? Hat ihr niemand das Sorgerecht jahrelang wegen Sexarbeit entzogen? Hatte nicht der gewalttätige Vater das Sorgerecht? Falls das falsch ist bitte ich dringend um einen Beleg für die Behauptungen. Und: Wie fühlt es sich denn an eine Frau zu diffamieren, deren Tochter in einem Besuchscafe ermordet wurde? Etwas abstruseres als so einen Mord gibt es wohl nicht. Wie wäre es denn einmal mit Fakten und Gegenbeweisen statt Untergriffigkeiten? Ich möchte hier ausdrücklich sagen, dass ich es widerwärtig finde, dieser Frau diffus und auch noch pauschal ohne Details Lügen zu unterstellen.
      Ich habe mich vielfach zu Gewalt gegen SexarbeiterInnen geäußert und nicht nur über strukturell und Polizeigewalt, sondern auch zu Morden und Gewalt durch Freier. Solche Fälle werden von allen mir bekannten Hurengewerkschaften regelmässig via Social Media mit grosser Betroffenheit auch geteilt! Wieviele Beispiele soll ich bringen, damit sie ihren Vorwurf zurücknehmen? Einen empathischen Kommentar von Abolitionistinnen habe ich bisher schmerzlich vermisst, die schreiben immer nur „da schau her! schon wieder ein Beweis für unsere These!“
      Wieviele Morde an Ehefrauen und Lebensgefährtinnen soll ich denn bringen, damit jemand auch die Ehe verbietet? In Österreich sind übrigens mehr als 98% aller Morde an Frauen deren Lebensgefährten. Das betrifft auch die Mehrheit der letzten 10 Morde an Sexarbeiterinnen in Österreich. Gewalt steigt bei Ächtung, bei Diskriminierung und Stigmatisierung – diese werden ausdrücklich gefordert von Abolitionistinnen (z.B. in Alice Schwarzers letztem Buch, Seite 11). Ein Verbot der Sexarbeit wird die Gewalt nicht reduzieren. Dass in Schweden SexarbeiterInnen Gewalt von EhepartnerInnen (weil diese sie sonst melden wegen Sexarbeit) und Freiern nicht mehr anzeigen ist belegt – das Gegenteil nicht. Falls sie dazu aber eine Quelle haben, nur heraus damit.
      Ich habe mich oben ausdrücklich zum Hellfeld (Menschenhandel, falls der gemeint ist) in Deutschland geäußert und anderswo mehrfach zu Menschenhandel, Drogensucht und den vielen anderen Problemen in der Prostitution. Genau diese Probleme werden mit dem schwedischen Modell nur ansteigen. Es ist auch bekannt, dass meine Beschäftigung mit der Thematik mit einem Mord begonnen hat.
      „Legal makes it safe, oder?” schreiben sie. Interessant ist das, meinen sie damit, dass die „Legalität“ der Sexarbeit völlig abgeschafft werden soll? Ich dachte nur die Freier sollen bestraft werden? Haben Sie ihre Meinung geändert? Denn Abolitionistinnen fordern ja ständig, dass die „Legalisierung“ rückgängig gemacht werden müsste (obwohl dies dem schwedischen Modell klar widersprich!) weil sie alles verschlechtere. Ganz ausgereift sind eure Thesen wohl nicht. Und es Widerspricht allerdings den Grundthesen der Bewegung, gell. Nur: Illegal macht sicher nichts „safe“, zumindest die Schweden sehen das so. Und ich auch.
      Ich sehe viele Worte von ihrer Seite, aber meine Fragen beanwortet kein einziger Satz. Ich hätte Prophetin werden sollen ;) Aber vielleicht schaffen sie oder eine andere Abolitionistin ja noch mir irgendwann zu sagen, was denn wäre, wenn meine Behauptung, dass das schwedische Modell die Lage von SexarbeiterInnen nachweislich verschlechtert (wie alle schwedischen Sexarbeiterinnen bestätigen, wie Abschiebungen ebenfalls andeuten) und die Anzahl derselben nicht verringert hat (wie aus schwedischen Polizeiberichten klar hervorgeht), richtig wäre?

  7. Karl at 15:25

    Ironischerweise ist Pornographie in Schweden – und übrigens auch in den USA – legal. Dabei vermag ich beim besten Willen keinen moralischen Unterschied zwischen dem Sex eines männlichen Pornodarstellers mit einer weiblichen Pornodarstellerin und dem Sex eines Freiers mit einer Prostituierten erkennen. Trotzdem käme auch in Schweden niemand auf die Idee, einen männlichen Pornodarsteller wie einen Freier zu bestrafen.

    Eine der Ikonen der „feministischen Pornographie“ in Schweden nennt sich Erika Lust.

    Einfach mal nach „Erika Lust“ googeln.

    Wenn das keine Heuchelei ist…

  8. vielen Dank für diese ausgezeichnete Argumentationssammlung. Sie werden von denen aber nie eine Antwort bekommen. Alle diese Argumente sind vorgeschoben, und nicht die wahre Motivation. Die wahre Motivation der Abolitionistinnen ist emotional und ideologisch. Frauen die ihre Sexualität frei ausleben haben in der Geschichte der Menschheit schon immer den meisten Männern UND Frauen viel Angst gemacht. Nichts wird quer durch alle Kulturen und Geschichtsepochen mehr reguliert und unterdrückt als selbstbestimmte weibliche Sexualität. Argumente dafür braucht man nicht, das sind Urängste die sich hier ausdrücken. Zutiefst irrational, aber real.

    • Helga Pregesbauer at 18:33

      bis jetzt habe ich keine antwort bekommen. ich stimmte ihnen in allem zu, nur sind es keine „urängste“ sondern anerzogene, erlernte und sehr spezifische ängste. ängste drücken sich selten in seriösen argumenten aus.

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