16 Tipps gegen Lampenfieber

16 Mittel gegen Lampenfieber

Was hilft?  Hier finden Sie eine Liste leicht umsetzbarer Methoden, die Lampenfieber senken.

  • Gute Vorbereitung

Bereiten Sie das, was Sie sagen/präsentieren/singen/tanzen werden, vor. Viele Menschen verdrängen ihr Lampenfieber, das lange vor den Auftritten beginnen kann, indem Sie Vorbereitung vermeiden, um jeden Gedanken an das Event zu umgehen.

Falls Sie zu wenig über die Möglichkeiten sich vorzubereiten wissen, informieren Sie sich. Es gibt zu allen Themen kostenlose und käufliche Angebote wie YouTube-Videos, Blogartikel, Bücher, Seminare und Fortbildungen. Die Vorbereitung lenkt von Sorgen besser ab als der Verdrängungsversuch. Je früher Sie anfangen desto besser.

  • Angemessene Kleidung

Tragen sie geschlossene Schuhe und nur bereits getragene Kleidungs- und Schmuckstücke. Die Beinkleidung muss über das das Knie im sitzenden Zustand reichen. Kleidung ist eine Uniform, ein Signal, nützen Sie seine Möglichkeiten für sich.

  • Auspowern

Betreiben Sie vorher Sport, und zwar körperlich anstrengende Formen von Bewegung, die anstrengend sind.

  • Entspannung

Jede Form von Meditation und Entspannungsübung ist auf lange Sicht hilfreich, für akutes Lampenfieber jedoch die falsche Methode. Mit Entspannungstechniken beginnen Sie idealerweise mehrere Monate vor dem Termin. Am Tag des Auftritts helfen diese nur Personen mit langer, praktischer Erfahrung damit.

  • Ausatmen

Atmen Sie stark aus, solange es halbwegs angenehm bleibt. Bei Unsicherheit lieber mehrmals ausatmen als zu stark. Vermeiden Sie die Versuchung, ein lautes Geräusch zu machen. Das Ziel ist die Luft aus der Lunge rauszuholen, nicht in maximaler Lautstärke oder originell zu stöhnen oder wegen Sauerstoffmangel umzufallen.

Das vielfach empfohlene Aus- und Ein-Atmen ist wirkungslos.

  • Bodenhaftung

Steigen Sie fest und bewusst auf die Fußsohlen. Oder massieren Sie diese mit einem Gegenstand (Massageball, Stiegenkante…). Oder rollen Sie eine Plastikflasche damit fest herum, bitte wegen der Sturzgefahr im Sitzen. Die Stimulation der Fußsohlen ist ein gut als akutes und dauerhaft vorbeugendes Mittel gegen Lampenfieber und steigert auch die Präsenz.

Üben Sie möglichst früh, beide Fußsohlen während des Auftritts ununterbrochen am Boden zu halten, sofern das in ihrem Genre möglich ist. Klaviermusiker*innen oder Tänzer*innen werden mit diesem Tipp naturgemäß wenig anfangen.

  • Hingehen

Gehen Sie zur Veranstaltung, egal wie sehr Sie sich fürchten und wie schlimm ihre Alpträume sind. Es wird ansonsten noch schlimmer, und zwar schon vorher.

  • Freundliche Gesichter

Suchen Sie sich im Publikum sympathische, freundliche Gesichter. Diese sehen Sie während des Auftritts hin und wieder an, besonders falls Unsicherheit in ihnen aufkommt. Suchen Sie als Anfänger*innen hierzu auf keinen Fall Verwandte, Bekannte oder Freund*innen. Das kann schief gehen – das tut es in den allermeisten Fällen. Probieren Sie bei unwichtigen Veranstaltungen oder privaten Treffen aus, ob es mit nahestehenden Menschen wirklich hilft. Das tut es übrigens bei wenigen Menschen.

Suchen Sie vorher konkrete Punkte in ihrem Auftritt, wo es angemessen ist, ins Publikum zu blicken und markieren Sie diese (z.B. mit einem Symbol im Text).

  • Sagen Sie ihren Namen, bevor Sie beginnen.

„Guten Morgen. Ich bin Helga Pregesbauer und halte heute für Sie diesen Workshop.“

  • Blabla vorher

Beginnen Sie die Veranstaltung sofern das möglich ist, in dem Sie vorab ein paar Sätze an das Publikum richten. „Ich bin Nino, bedanke mich bei allen, Publikum, Veranstalter*in, Moderator*in und Wettergott, ich bin beruflich und heute hier weil. Vielen lieben Dank und einen schönen Abend/Nachmittag/Frühmorgen.“ Sie beschnuppern das Publikum und das Publikum Sie. Es hört besser zu, weil es fertiggeschnuppert hat, was ein zwei, drei oder fünf Minuten dauert.

Sehen Sie das Publikum an, bevor Sie anfangen. Richten Sie den Blick auf die Menschen und schauen Sie die Leute freundlich an. Falls das unmöglich ist, besuchen Sie vorher in die Mensa oder das Foyer, um sich umzusehen.

  • Sprechen Sie bewusst und absichtsvoll für das Publikum

Sofern dieser Satz in Ihnen Abwehr ablöst, sollten Sie den Ratschlag umso dringender beherzigen und gerade Sie profitieren davon am meisten. Vermeiden Sie die Flucht vor den Zuhörenden. Widerstehen Sie dem Wunsch, sich von diesen abzulenken. Bleiben Sie in der Realität und beachten Sie in Gedanken und mit ihrer Mimik das Publikum. Das ist eine der wichtigsten Methoden gegen Lampenfieber, so absurd es sich vielleicht anhört.

  • No Drugs

Lassen Sie die Finger von Extraportionen legaler oder illegaler Drogen sowie von selbstverschriebenen, schnell noch ausprobierten Psychopharmaka. Das geht garantiert ins Auge. Medikamente gegen Lampenfieber entfalten ihre Wirksamkeit erst nach mehrmonatiger Einnahme.

Auch von Alkohol oder dem Entspannungsachterl, das angeblich einige Ärzt*innen empfehlen, rate ich dringend ab.

  • Fehler ignorieren

Ignorieren Sie Fehler, Verleser, falsch erwischte Noten und Singfehler, außer sie stören den Sinn und sind irreführend. Dann wiederholen Sie kommentarlos die Stelle, sofern das in ihrer Branche möglich ist. Die meisten Fehler fallen niemandem auf, machen menschlich und sympathisch. Profis bauen übrigens absichtlich Fehler ein.

  • Party!

Feiern Sie nachher. Das ist kein Scherz. Feiern sie. Das ist wichtig.

  • Don´t listen to everybody

Last but not least: Pfeifen Sie auf Lampenfiebertipps von allen Menschen die keine Sekunde ihres Leben Lesungen oder öffentliche Auftritte machen! Pfeifen Sie auf Ratschläge von Menschen, denen Lampenfieber lebenslang so fern war wie der Mars! Oder vertrauen Sie beim Buchen des Fahrkurses auf Leute, die nie Autos lenken?

Zum Abschluss sei allen Leser*innen eins ans Herz gelegt: Affirmationen, positives Denken, Visualisierungen und dergleichen mehr sind Mittel, das Lampenfieber verstärken. Diese Methoden sind kontraproduktiv für Menschen, die unter Lampenfieber leiden. Dies ist ein wissenschaftlich belegtes Faktum. Lassen Sie sich von niemandem derlei einreden, egal wie vehement Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen diesen Blödsinn verbreiten.

Viel Spaß bei allen Auftritten. Gesenktes Lampenfieber macht unser Leben schöner. Viel Erfolg und viel Freude!