{"id":1255,"date":"2014-11-06T17:28:49","date_gmt":"2014-11-06T15:28:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wortflechte.com\/web\/?p=1255"},"modified":"2015-01-03T17:24:31","modified_gmt":"2015-01-03T15:24:31","slug":"leseliste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wortflechte.com\/web\/leseliste\/","title":{"rendered":"Leseliste"},"content":{"rendered":"<p>Anmutige Worte, hinf\u00fchrende Geschichten, phantastische Erz\u00e4hlungen, funktionierende Kommunikation, entdeckte Verbindungen sehen und erfundene Berichte mit wahren verweben, Gedanken in Buchstaben einflechten. Information in gesprochener und geschriebener Sprache \u00fcbergeben. Gedanken und Einf\u00e4lle und Einsichten wiederholbar machen. Wortgeschenke, Geschichtenwunder, verbale Ideen, die gesamte, uferlose Welt der Sprache. Poesie. Die Gef\u00fchle beim Sprechen vor anderen Menschen. Eine Art Ausl\u00f6ser f\u00fcr Gef\u00fchle, f\u00fcr das Leben, f\u00fcr Taten und Gedanken, f\u00fcr Erfindungen und Gr\u00e4uel. Etwas lernen oder traurig sein. Das sind B\u00fccher nicht f\u00fcr mich. Das gesagte ist weniger von mir als ein Foto von einem echten Leben ist. Es ist ein Foto, es ist nicht dabei, es lebt und f\u00fchlt nicht und das ist das Paradoxon. Ein Buch \u2013 lebt es? Oder lebt in ihm das Lebendige in den Schreibenden? Ist ein Buch das, was im Regal liegt oder das, was in mir passiert, wenn ich es lese oder mich erinnere? Oder dann doch nur das, was ich aufgrund der Lekt\u00fcre tue? Lesen ist viel mehr als nur \u201eAbenteuer im Kopf\u201c.<\/p>\n<p>Zum heutigen Tagebuchtag gebe ich intimstes bekannt: meine Lieblingsb\u00fccher. Der Haken: ich habe keine <em>Lieblings<\/em>. Ich will keine. Ich liebe B\u00fccher. Als Medium und konkrete B\u00fccher. Und nein, niemand soll mir irgendetwas nachmachen. Weder Listenschreiben, noch B\u00fccher lesen noch mein Leben. Lebt euer eigenes, verdammt nochmal.<\/p>\n<p>B\u00fccherlisten sind fad. Man zeigt sich in ihnen. Ich werde einen Spagat versuchen und euch zeigen, was in den B\u00fcchern sein k\u00f6nnte und was sie mir gezeigt haben. Ich lege mein innerstes offen (B\u00fccher, W\u00f6rter, Geschichten sind mir das innigste und innerste), dann mit der Begr\u00fcndung, warum man das lesen k\u00f6nnte. Und zehn? Hallo? Zehn ist gar nichts.<\/p>\n<p>99 Minutenm\u00e4rchen, K\u00e4the Recheis, Friedl Hofbauer &#8211; damals ist mir klar geworden, als Kindergartenkind, dass Geschichten von Menschen gemachte Werke sind. Ich sehe das Buch heute noch vor mir, den geleben \u00e4h J gelben Einband, die rote Gravur und die gelbe Kinderbettw\u00e4sche mit t\u00fcrkisenen Figuren, in der ich lag. Ich verstand: Das hat jemand erzeugt, ein Mensch. Wow. Das muss das Beste und Lustvollste sein, was ein Mensch tun kann. B\u00fccher schreiben, Geschichten erfinden.<\/p>\n<p>Kleiner Bruder Watomi, K\u00e4the Recheis, Monika Laimgruber. Ich hielt das damals f\u00fcr <em>richtige<\/em>, f\u00fcr <em>echte<\/em> Kunst, leider wei\u00df ich nicht mehr warum, in der Folge startete ich meine Karriere als unm\u00fcndige Indianerfanatikerin.<\/p>\n<p>Michael Ende, Die unendliche Geschichte schuf in mir den unb\u00e4ndigen Drang, zu wissen wie der das Buch geschrieben hat und zu lernen, so ideenexplosiv zu werden. Und ja, er hat eine Methode verwendet, die sich viele Jahre sp\u00e4ter in einem Buch \u00fcber seinen Vater Edgar von mir finden w\u00fcrde lassen.<\/p>\n<p>Michael Ende, Momo. Weckte den Wunsch, mit Sternen reden zu lernen.<\/p>\n<p>Erica Jong, Angst vorm Fliegen. Kam auf die Idee, dass Lachen vielleicht doch nicht so schlimm ist wie gedacht.<\/p>\n<p>David Sedaris, Nackt. Verst\u00e4rkte meinen bei der Jong-Lekt\u00fcre gewonnenen Eindruck. Ich fiel bei der Lekt\u00fcre mehrmals vor Lachen von einer steirischen K\u00fcchenbank.<\/p>\n<p>Rafik Schami, Wunderkasten \u2013 <em>die<\/em> Hymne ans Erz\u00e4hlen und an das Talent zur Phantasie.<\/p>\n<p>Jim Morrison &amp; The Doors, Die Songtexte. Lieber Jim Morrison, wegen dir und nur dir allein habe ich in der Pubert\u00e4t William Blake gelesen, auch Artaud, Brecht verschlungen, schamanische Sichtweisen entdeckt und f\u00fcr weise gehalten, Fernsehboykott gestartet, Henisch begonnen, Rimbauds Gedichte gemalt. Nietzsche geschm\u00f6kert. Frazer gesucht. Niemand (kein Mensch, kein Freund, keine Freundin, keine Schule) hat mir je Bibliotheken und Gedanken er\u00f6ffnet wie du, Mr. Mojo.<\/p>\n<p>Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter. Bester Schreibratgeber gleichauf mit King, bester Lebensratgeber. Mein Beileid, allen, die das nicht lesen. Gratisdownload.<\/p>\n<p>Stephen King, Das Leben und das Schreiben. Bester Schreibratgeber und interessante, offene Auto(r)bio von King, sehr empfohlen. Es gibt viele sinnlose, schlechte und sch\u00e4dliche Schreibratgeber, diese ist reingoldwertig.<\/p>\n<p>Erich Fromm, Die Kunst des Liebens \u2013 damit begann meine Liebe zur Fachliteratur, zum Sachbuch und zur Theorie, im Alter zwischen 13 und 18 mehr als f\u00fcnfzehn Mal gelesen. \u201eWer nichts wei\u00df, liebt nichts.\u201c<\/p>\n<p>Judith Butler, Gender Trouble. Unverzichtbar. Must.<\/p>\n<p>Michel Foucault, Sexualit\u00e4t und Wahrheit. Der Wille zum Wissen. Einer der vielen Anf\u00e4nge von <em>etwas<\/em> langem, best\u00e4ndigen im meinem Leben<\/p>\n<p>Judith Herman, Die Narben der Gewalt. Bis heute f\u00fcr mich bestes Buch zum Verst\u00e4ndnis von Folter, h\u00e4uslicher Gewalt, Verleugnung und Traumata. Hat damals die H\u00e4lfte all meiner offenen Fragen beantwortet.<\/p>\n<p>Virginie Despentes, King Kong Theorie, fand es beim Lesen sehr erfrischend, untheoretisch erhellend, witzig.<\/p>\n<p>Gail Pheterson, Huren-Stigma. Wie man aus Frauen Huren macht. Fabelhaftes Buch \u00fcber Sexarbeit und Stigmatisierung von Frauen (und zwar von Frauen, allen Frauen).<\/p>\n<p>Starhawk \u2013 Wilde Kr\u00e4fte. Ich verstehe den Demeter-Mythos seither besser, anders, neu. Ansonsten kein Hammer f\u00fcr Menschen, deren Lebensmittelpunkt au\u00dferhalb von Geschlechtermythen liegt.<\/p>\n<p>Jonathan Safran Foer, Tiere Essen \u2013 must read. Alle. Amen.<\/p>\n<p>Markus Zusak, Die B\u00fccherdiebin. Aus der Sicht des Todes geschriebenes Buch \u00fcber den Nationalsozialismus, das schmerzlichste, und zugleich wundersch\u00f6n, klar, traurig wie es nur <em>der<\/em> Tod sein kann. Ein Worttraum voll mit Ziehharmonikaliedern und Freundschaft, n\u00fcchternen Verr\u00fccktheiten, ehrlichen L\u00fcgen, anst\u00e4ndigem Diebstahl, g\u00fctigem Fluchen und unerf\u00fcllter Tr\u00e4ume. Lies es! Lies es! Lies es!<\/p>\n<p>Gioconda Belli, Die Tr\u00e4ger der Tr\u00e4ume, hat f\u00fcnfmal und noch \u00f6fter mein Leben gerettet. <em>y in my mundo &#8211; un gran trafico de suenos!<\/em><\/p>\n<p>Paula Ludwig, Dem dunklen Gott. Pah.<\/p>\n<p>Marija Gimbutas, Die Sprache der G\u00f6ttin. Hat vielleicht mein ganzes Leben mehr ver\u00e4ndert als alle anderen zusammen und das einzige Buch mit Bildern, welche ich je als Einflussfaktor akzeptiert habe.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe W\u00f6rterfabrik, Agn\u00e8s de Lestrade, Valeria Docampo. YOU MUST READ THIS. Ja du musst gar nix. Au\u00dfer das. Das muss man. Ein Verbot des Begriffs Kinderbuch sollte \u00fcberdacht werden.<\/p>\n<p>Joyce Carol Oates, Freaky Green Eyes. Mit offenen Augen. \u2013 beim Lesen das Potential verstanden, durch welche Romane etwas verst\u00e4ndlich machen (k\u00f6nnen). Freaky entbl\u00e4ttert Wort f\u00fcr Wort die Schichten der Gewalt und deren Ursachen, warum Flucht schwer ist, warum und wie wegschauen passiert (und wie unsere Gesellschaft Wegschauen kollektiv produziert) und warum die T\u00e4ter-Perspektive begreiflicher ist als die der Gewaltbetroffenen.<\/p>\n<p>J.M.Coetzee, Das Leben der Tiere. Wundervoll, wundervoll.<\/p>\n<p>Clarissa Pinkola Est\u00e9s, Die Wolfsfrau. Wer \u00fcberleben will muss es lesen. So einfach ist das. In der Theorie zumindest.<\/p>\n<p>Uta Ranke-Heinemann, Eunuchen f\u00fcr das Himmelsreich. Mutig, wegweisend, witzig, lehrreich und veraltet. Ein Meilenstein.<\/p>\n<p>Elfriede Jelinek, Lust. Entfacht Denkexplosionsfeuer, die beim x-ten wiederlesen noch aufflammen, gl\u00fchen und w\u00e4rmen. Bedenke, das Buch ist witzig!<\/p>\n<p>Audrey Lorde, sister outsider, ich verstand wie Diskriminierung in uns hineinwandert und sp\u00e4ter, was das bedeutet &#8211; f\u00fcr mich und die anderen Menschen.<\/p>\n<p>Melissa Gira Grant, Hure spielen. Eines der besten und vern\u00fcnftigsten und aussagekr\u00e4ftigsten B\u00fccher \u00fcber Sexarbeit. Ein Buch, das wir brauchen. Bitte schenkt es Abolitionistinnen.<\/p>\n<p>Virginie Despentes, Baise moi. Fick mich \u2013 grauslichgut, not my style, aber seit dem Lesen habe ich eine Idee davon, warum manche M\u00e4nner auf Gewaltfilme stehen und B\u00fccher lesen, in denen die Vernichtung von Menschen (auch Frauen) zelebriert wird. Hat meinen Blick auf Horrorfilm anschauende M\u00e4nner (nicht Frauen) modifiziert.<\/p>\n<p>Amos Oz, Wie man einen Fanatiker kuriert. Ich liebe dieses Buch von der ersten bis zur letzten Zeile. Und nein, es ist nicht perfekt als Buch.<\/p>\n<p>\u00c4h. Das waren jetzt mehr als zehn. Kann das sein? Dabei k\u00e4me ich eben so ein bisschen in Fahrt.<\/p>\n<p>So. Welche 22 davon streiche ich jetzt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmutige Worte, hinf\u00fchrende Geschichten, phantastische Erz\u00e4hlungen, funktionierende Kommunikation, entdeckte Verbindungen sehen und erfundene Berichte mit wahren verweben, Gedanken in Buchstaben einflechten. Information in gesprochener und geschriebener Sprache \u00fcbergeben. Gedanken und Einf\u00e4lle und Einsichten wiederholbar machen. Wortgeschenke, Geschichtenwunder, verbale Ideen, die gesamte, uferlose Welt der Sprache. Poesie. Die Gef\u00fchle beim Sprechen vor anderen Menschen. 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