Anleitung zum Wäschewaschen mit Kastanien

Anleitung zum Wäschewaschen mit Rosskastanien

Die Vorteile, Kastaniensud als Waschmittel zu nützen, liegen auf der Hand: Es macht Spaß, ist kostenlos, desinfizierend, umweltfreundlich, klimaneutral, plastikfrei, verpackungsfrei, bringt uns an die frische Luft, ist vegan, allergiegefahrreduziert, ohne künstliche chemische Zusätze und ungiftig. Wer würde einem Kleinkind eine Schachtel Persil zum Spielen geben?  Hoffentlich niemand. Und wer würde die eigenen Kinder mit einer Kiste Kastanien allein lassen? Alle.

Die Kläranlage holt Verunreinigungen aus dem Abwasser heraus – und macht sie damit? Lagern. Es handelt sich Großteils um Sondermüll. Kastanienwaschmittelreste kann man im Biomüll entsorgen. Kastaniensud macht Textilien übrigens weich.

Der Aufwand für das Waschen mit Kastanien bei Hausgebrauch besteht aus der Zeit zum Sammeln, täglich eine Minute aussortieren während der Trockenzeit (ca. ein Monat lang), eine halbe Minute pro Waschgang und der Aufwand der Entsorgung des Biomülls.

Sammelzeit

Regional unterschiedlich August – September. In Wien gibt es in fast jedem Park und bei vielen Schulen Kastanienbäume. Eine Rolle spielt, wie gründlich die Gärtnerei in einem Park sind. Man braucht pro Jahr und Person ungefähr zehn bis fünfzehn Liter gesammelte Kastanien. Nicht an Regentag sammeln. Sammeln sie lieber am Anfang ein bisschen mehr, bis sie das mit dem Schimmel im Griff haben.

TIPP: Wenn man die Saison verpasst, kann man via Tauschbörsen, Schenknetzwerken und durch Kontakte zu LehrerInnen/KindergartenpädagogInnen/Kindern Kastanien bekommen, denn diese sammeln Rosskastanien zum Basteln.

Trocknen

Je heller und wärmer der Aufbewahrungsort desto besser. Eine trockene Umgebung ist selbstverständlich notwendig. Nach dem Sammeln sofort auflegen, niemals übereinander, niemals in Plastikbehältern lagern! nicht luftabgeschlossen trocknen! offen in Kartonschachtel (z.B. aus dem Supermarkt) oder Holzkiste auflegen, der Behälter muss luftdurchlässig sein. Wer viel Zeit hat, kann die weiße Seite der Kastanien nach oben drehen (senkt Schimmelgefahr); ein Heizraum ist sehr gut geeignet. Sie brauchen mehrere Wochen um durchgetrocknet zu sein, man erkennt es an der Härte und der schrumpeligen Oberfläche.

Schimmelige Kastanien muss man täglich aussortieren – bald sieht man die schimmeligen auf den ersten Blick, der Geruch von Schimmel ist zudem unverkennbar.

Wenn die Kastanien trocken sind, kann man sie beliebig aufbewahren (Schachtel, Kübel, Sack), auch dunkel und luftdicht. Sie sind über Jahre haltbar. Getrocknete Kastanien sind kleiner als frische und brauchen weniger Platz. Auch zerkleinerte und gemahlene Kastanien brauchen Wochen um durchgetrocknet zu sein.

Ein Trocknen im Backrohr ist nicht zu empfehlen. Einerseits verbraucht es Strom (dies verursacht Kosten und ist nicht klimaneutral, ausgenommen in einem Holzofen, der sowieso beheizt würde), andererseits nehmen die Kastanien dabei eine gummiartige Konsistenz an, wodurch sich der Aufwand beim Zerkleinern vervielfacht. Sie sind kaum klein zu bekommen und geben deutlich weniger Saponine ab.

Zerkleinern

Getrocknete Kastanien geben nur mehr zerkleinert waschaktives Saponin ab. Ich hämmere zweimal im Jahr eine halbe Stunde für die Wäsche einer Person.

Frische Kastanien sind weich und sehr leicht zu zerkleinern, sowohl Platzbedarf aus auch das Schimmelrisiko beim Trocknen sind jedoch bei frischen Kastanienstücken stark erhöht! Beschädigte Kastanien sollten separat getrocknet oder gleich verwendet werden.

Bereits getrocknete Kastanien zerkleinern: Bereite 1 großen Hammer, 1 Holzbrett mit einem dicken Handtuch darunter, 2 leere Schüsseln, 1 Gefäße für Lagerung der Kastanienstücke und 1 festes Tuch (ich empfehle Jeansstoff), das kaputt werden darf, vor.

TIPP: Mach es draußen oder auf einem massiven Holzboden oder Plastikbelag (kein Laminat, keine Fliesen, kein billiger Parkett – die werden von der Belastung kaputt) oder einem stabilen Tisch.

Leg unter das Brett das Handtuch (als Schutz vor Schäden durch kleine, harte Splitter, die entstehen). Füll eine Hand voll Kastanien in ein möglichst festes Stück Stoff, das niemand mehr braucht, denn es wird reißen. Ich habe ein 25 cm hohes Fußteil von alten Jeans abgeschnitten und an einer Seite zusammengenäht. Verwendbar könnten alte Küchentücher, Stoffreste oder kaputte Kleidung sein.

Leg die Kastanien im Tuch auf das Brett und zerschlag sie mit dem größten Hammer, den du hast, bis alle zerbrochen sind. Dann leere die Bruchteile in eine Schüssel, hol die nicht  zerschlagenen raus und füll die zerkleinerten in die zweite Schüssel. Dann kommen die nächsten Kastanien.

Warum verwende ich dafür den Stoffsack aus dem Jeansfuß? Erstens fliegen die Splitter weder im Haus herum noch mir ins Gesicht. Und ich muss die Teile nicht zusammenkehren, sondern leere sie einfach aus dem Sack heraus in ein Gefäß. Ich habe deutlich weniger Schmutz. Die Splitter und Teile von getrockneten Kastanien sind übrigens scharf und eine Gefahr für deine Augen!

Hämmern ist laut. Bitte auf Experimente spätnachts um des Hausfriedens mit den Nachbarn Willen verzichten.

Übrigens: Küchengeräte sind zu teuer zum Zerkleinern von Kastanien, weil sie ausnahmslos kaputt dabei werden. Kaffee- und Nussmühlen halten die Belastung keinesfalls aus, bei Ausnahmen werden Messer bald kaputt. Es lohnt sich einfach nicht. Ich rate, stattdessen z.B. Geräte von Gärtnereien zu verwenden, zu hämmern oder einen Gartenhäxler zu verwenden.

Sud-Zubereitung

In ein Gurkenglas zwei Finger breit Kastanien füllen, mit Wasser auffüllen und über Nacht stehen lassen, absieben und dann direkt in die Trommel füllen und nicht ins Waschmittelfach. Niemals Kastanien oder Teile von Kastanien in die Waschmaschine geben! Auch nicht Kastanienmehl in Strümpfen! (Verstopft die Leitung, macht die Waschmaschine kaputt wenn es reißt, viele Brösel bleiben auf der Wäsche, die Wäsche wird kaputt davon).

Bei Akutbedarf Kastanien nacheinander mehrmals mit heißem Wasser auffüllen und absieben. Rest nochmal auffüllen und ev. am nächsten Tag verwenden.

Der Sud ist einfrierbar, kochbar und hält sich kühl gelagert oder im Kühlschrank etwas länger. Er hält je nach Temperatur etwa einen Tag lang. Kastaniensud schmeckt eklig, ist wenig giftig und daher für Kinder ungefährlich. Die Reste der Kastanien bitte im Biomüll entsorgen.

TIPP: Manches Leitungswasser ist so hart, dass man Wasserenthärter verwenden muss, da sonst die Waschmaschine kaputt wird und die Wäsche unangenehm riecht. Diesen gibt es wie auch Bleichmittel im Drogeriemarkt. Man kann als Enthärter Essig verwenden, der zusätzlich ein wenig weichspülend wirkt. Bitte keine Essigessenz, diese greift die Waschmaschine an. Kastaniensud bleicht nicht. Wer weiße oder pastellfarbene Textilien in ihrer Farbe erhalten will muss dem Waschvorgang Bleichbaustein hinzufügen. Seltener verwendet man heute dafür noch Lackmus, häufiger Sauerstoffbleiche (erhältlich in Zero Waste Läden wie „Lieber ohne“) oder Waschblau. Wirksam gegen den Grauschleier ist auch das Aufhängen im prallen Sonnenlicht. Dunkle Wäsche können sie problemlos waschen. Auch schwere Verschmutzung geht tadellos heraus! Nur die dunkle Wäsche mit Kastanien zu waschen würden pro Person und Jahr mehrere Kilogramm giftige Chemikalien einsparen.

TIPP: Ins Weichspülerfach ein paar Tropfen ätherisches Öl (3-10, je nach Lust und Größe der Waschmaschine) geben für duftende Wäsche.

Haarspülung Kastaniensud ist die beste Haarspülung, die ich kenne. Ich fülle den Sud je nach Haarmenge in ein größeres Gefäß (Weidling, Wäschekorb…), verdopple mit warmem Wasser und schütte das über die Haare. Dann ganz normal Haare waschen. Der Sudrest kann zum Wäschewaschen verwendet werden.

Handwäsche Wer Wäsche über Nacht einweichen will, sollte einen Teelöffel Waschsoda hinzufügen, denn Kastaniensud ist ein frisches Naturprodukt und fängt zu gären an, der Geruch findet sich dann auf der Wäsche wieder. Waschsoda ist übrigens ein Hauptbestandteil von Weichspüler.

Geschirrspülmittel

Geschirr waschen mit der Hand: Das Spülschwämmchen oder die Bürste direkt in den Sud eintauchen und normal abwaschen und spülen.

Geschirrspülmittel: Normal einfüllen, Dosierung je nach Gerät. ev. Klarspüler ergänzen.

Man kann ganz einfach günstigen Weichspüler herstellen! In einer leeren Weichspülerflasche einen gehäuften Esslöffel Waschsoda (erhältlich in Reformhaus oder Drogerie, halbes Kilo ca. ein Euro), vier Esslöffel Essig, wenn Geruch erwünscht entweder 2-4 Tropfen ätherisches Öl oder eine Portion gekauften Weichspüler dazugeben und restliche Flasche mit heißem Wasser anfüllen. Über Nacht stehen lassen, dann Flasche ganz anfüllen. Sehr günstig und umweltfreundlich!

Mit Waschsoda und warmem Wasser kann man fast alles reinigen!

Viel Spaß und Gutes Gelingen!

(c) Mag.a Helga Christina Pregesbauer wortflechte.com

Aktualisierung: Wenn ich neue Informationen finde oder weitere Erfahrungen mache, werde ich diesen Artikel weiterhin updaten.

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